Sternenregen

Im digitalen musikalischen Adventskalender unserer Kirchengemeinde Haarzopf erklang am 7. Dezember die Tatort-Melodie. Und es wurde gefragt: was hat denn ein Krimi mit Weihnachten zu tun? Wie sich herausstellt: eine ganze Menge. Weihnachten ist nämlich auch ein Krimi: das Licht ermittelt gegen die Dunkelheit. Die Liebe versucht das Böse im Zaum zu halten. Das ist spannend wie ein Krimi bis auf den heutigen Tag. Und spannend ist es schon ziemlich lange: In keiner uns bekannten Zeit fand dieser Krimi nicht statt. Weiterlesen

Warum die Engel sangen

Manchmal passiert es einfach: Ich höre ein Lied, und auf einmal bin ich woanders – nur für einen Moment. Im Supermarkt laufen ein paar Takte eines alten Weihnachtsliedes, und plötzlich bin ich wieder Kind, sitze am Tannenbaum im Sauerland und rieche den Duft des selbstgebackenen Spritzgebäcks. Oder ich stehe in der vollen Straßenbahn, jemand summt leise vor sich hin – und auf einmal wird alles ein kleines Stück leichter. Der Tag selbst ändert sich nicht, aber etwas in mir selbst fühlt sich anders an.

Singen wirkt direkt. Es spricht uns an, bevor wir es mit dem Kopf begreifen. Es erreicht etwas in uns, das Worte allein oft nicht schaffen. Weiterlesen

Gewalt kommt nicht in die Tüte

In meiner Eigenschaft als Superintendentin der Evangelischen Kirche in Essen bin ich in diesem Jahr Schirmfrau der Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“. Darüber freue ich mich außerordentlich! Mein Dank gilt allen, die sich für diese Initiative eingesetzt haben und weiterhin engagieren – insbesondere den Bäckereien, die dieses Thema in unsere Stadt tragen.

Denn eines ist klar: es ist heute kein Tag zum Feiern, sondern ein Tag, der unsere Verantwortung für Frauen und ihr Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit deutlich macht – heute und auch in Zukunft. Weiterlesen

Seelsorge am Lebensende – ein selten angefragter Dienst

„Mein Vater liegt im Sterben. Könnten Sie bitte kommen und ihm die letzte Ölung geben? Ich weiß ja nicht, ob Sie als evangelische Pfarrerin so etwas machen. Mein Vater ist evangelisch. Vielleicht könnten sie ihn ja sonst auch einfach nur segnen?“ So fragte mich vor einigen Monaten eine Anruferin. „Gerne komme ich!“, antwortete ich.

Solche Anfragen kommen bei uns Seelsorgerinnen und Seelsorgern im Gemeindedienst leider viel zu selten an, finde ich. Darum ist es mir wichtig, hier einmal davon zu erzählen. Vermutlich ist es den meisten Menschen gar nicht bekannt, dass sie am Sterbebett eines geliebten Angehörigen nicht allein bleiben müssen: wir kommen zu den Sterbenden nach Hause, wir kommen auch ins Krankenhaus oder in ein Pflegeheim, wenn es in erreichbarer Nähe ist. Weiterlesen

Aus Verlust entsteht wieder Neues

Liebe Gemeinde, heute, am 26. Oktober, nehmen wir Abschied von der Apostelkirche. Wir feiern einen letzten Gottesdienst. Und wir alle sind mit gemischten Gefühlen hier, ob als Glieder der Gemeinde, als Mitglieder des Presbyteriums, als Christ*innen oder als Bürger*innen dieses Stadtteils.

Manche erinnern sich an wichtige Gottesdienste in dieser Kirche und sind traurig, bei anderen überwiegen vielleicht Schuldgefühle, dass sie diesen Abschied in die Wege geleitet haben. Manche hier spüren heute weniger Aufbruch als Verlust. Bei wiederum anderen mischt sich Hoffnung hinein, neue Wege gehen zu können. Weiterlesen

Abschied und Neubeginn

Seit 1913 hat die Apostelkirche im Essener Westen Geschichte geschrieben. Heute, im Jahr 2025, wird die Kirche entwidmet und dieses wertvolle Kapitel der Gemeindegeschichte geschlossen. Eine schmerzhafte Erfahrung für viele, die mit diesem Ort tief verbunden sind – während gleichzeitig ein neues hoffnungsvolles Kapitel der Gemeindegeschichte aufgeschlagen wird. Weiterlesen

Einfach mal wieder Danke sagen

Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster. (Psalm 92,2)

Bedanken Sie sich manchmal, hin und wieder oder sogar oft für das eine oder andere? Wenn jemand Ihnen die Tür aufgehalten hat? Wenn jemand Ihnen zugehört hat? Wenn der oder die an der Kasse geduldig Ihren ganzen Einkauf gescannt hat? Ich glaube, es gibt eine ganze Menge, wofür ich jeden Tag jemandem „Danke“ sagen könnte. Manchmal sage ich es und manchmal auch nicht. Vielleicht, weil ich es für selbstverständlich halte? Weiterlesen

Das Narrenschiff

Der Staat ist verschwunden, die Menschen, die in ihm lebten, nicht. Sie leben weiter mit ihren Erfahrungen und Erinnerungen, Erwartungen und Enttäuschungen in einem Staat, der vorgab, der Sieger der Geschichte zu sein. 2025 legt Christoph Hein, der in der DDR den Staat und die Gesellschaft kritisch begleitete, einen Roman vor, der mittlerweile schon in der 5. Auflage erschienen ist. Weiterlesen

Zehn Jahre „Wir schaffen das“

Wir schaffen das!“ ist in diesen Tagen medial wieder in aller Munde. Der Ausspruch stammt von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Bundespressekonferenz am 31. August 2015 im Hinblick auf die extrem hohe Zahl von Flüchtlingen in Europa in 2015 und 2016 und deren Aufnahme in Deutschland. Wörtlich sagte die Bundeskanzlerin: „Deutschland ist ein starkes Land. Das Motiv, mit dem wir an diese Dinge herangehen, muss sein: Wir haben so vieles geschafft – wir schaffen das!“ Ihr Satz hat eine unglaubliche Karriere gemacht.

Um zwei Extreme aus der Anfangszeit zu benennen: Der Journalist Deniz Yükcel erklärte die Worte der Kanzlerin im Februar 2020 „zum schönsten Kanzlersatz seit Willy Brandts ‚Mehr Demokratie wagen‘.“ Alexander Gauland, Spitzenkandidat der AfD für die Bundestagswahl 2017, hingegen verkündete schon im Oktober 2015 “Wir wollen das gar nicht schaffen“. Weiterlesen

Befreiung. Vergebung. Frieden.

Israelsonntag. Meine spontane Reaktion ist: Ich mache im Gottesdienst einfach etwas anderes. Bloß dieses Thema nicht. Vermintes Gelände. Kann ich dazu irgendetwas sagen, ohne dass ein Shitstorm mich trifft? Woher auch immer? Aber dann: Meine Furcht vor dem Thema zeigt ja eigentlich – dass wir drüber reden müssen. Gerade WEIL es so schwierig ist.

Und ich sah ein Interview mit Joachim Gauck bei Markus Lanz. Lanz fragt ihn nach seiner Position nach Israel. Gauck holt tief Luft. Er sagt, dass es natürlich nicht geht, was Israel in Gaza macht. Er sagt aber auch: Diese Worte presse ich aus mir hervor, ich bringe es kaum über die Lippen. Man sieht, wie er körperlich damit ringt, es auszusprechen. So geht es mir auch. Ich presse es aus mir heraus: Kritik an Israel. Weiterlesen